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Domestic Space | Domagk Edition 2

Domestic Space | Domagk Edition 2“ materialisierte vom 26.11. bis 29.11.2021 Kunstwerke der Zweigstelle Berlin in klassischer White Cube Manier in der monumentalen Domagk halle50 im Münchner Norden mit Arbeiten von Albert Coers, Isabelle Dyckerhoff, Florian Ecker, Inge Gutbrod, Inge Jakobsen, Elvira Lantenhammer, Ursula Oberhauser, Jürgen Paas und Maria Wallenstål-Schoenberg. Nachfolgend dazu ein Text von Dr. Angelika Burger.

Farbe und Form – Grundkategorien

Das große Thema der Ausstellung „Domestic Space | Domagk Edition 2“ ist die Farbe.

Die Farbe in ihrer Interaktion, wie beispielsweise bei Maria Wallenstål-Schoenberg. In der Serie ihrer Monotypien dekliniert sie die Farbe in ihren Kontrasten, dem Warm-Kalt-Kontrast – wobei es auch wie beim Grau um feinste Temperaturunterschiede geht -, dem Helligkeits-Kontrast - wie beispielsweise bei den Blautönen -, dem Komplementär-Kontrast – wie Rot/Grün – , dem Bunt-an-sich-Kontrast – wie Orange zu Rot -, dem Qualitäts-Kontrast - wie bei den gedämpften Rot- und Blautönen – als auch dem Simultan-Kontrast, d.h. der direkten Wechselwirkung der Farben gerade in Bezug auf die Quantitätswahrnehmung. In offener, undogmatischer Weise erproben die Bilder die von Johannes Itten aufgestellten Grundkontraste der Farbe.

In dem großen, die Wandfläche einnehmenden und den Raum ausrichtenden Triptychon lässt Isabelle Dyckerhoff vereinzelte Farben als poröse, mehrschichtige Farbspuren in der Weite des Lichtraums wie Schriftbilder, in unterschiedlicher Intensität ereignishaft aufscheinen. Pierre Soulage erzählte einst, wie er schon als Junge, indem er das Schwarz malte, überhaupt das reinste Weiß erzeugte. Als er dicke, schwarze Streifen malte, wurde er gefragt, „ was er da male“. Seine Antwort, die er den verdutzten Eltern gab, war „Schnee“. Ähnlich erlebt man bei Isabelle Dyckerhoff auf und im lichten oder dämmrig grauen Grund die Farbspuren unterschiedlicher Betonung ereignishaft. Die gespachtelte Farbe schreibt sich förmlich selbst als sowohl fragile als auch bestimmte Wegspur.

In Inge Gutbrods „Wachskörpern“ verdichtet sich Farbe zu plastischer Substanz mit Wärme- und Lichtcharakter. Man kann - wie es der Titel sagt - gleichsam ein „Bad in ihren lichtgefüllten Körpern nehmen“.

Elvira Lantenhammer feiert in ihren Bildwänden - die sie Lagepläne nennt - die Leuchtkraft der Farben zwischen den markant gesetzten Polen Schwarz und Weiß. Dabei regulieren Hellgelb, ruhiges Ocker und in sich gesammeltes Rot beschwich-tigend, leuchtendes Pink und Orange, die in der Bildarchitektur bewusst platzierte Signale setzen.

Florian Eckers auf der Oberseite glanzgeschliffener schwarzer Stein zeigt an den brüchigen Kanten dichtes, mattes, stumpfes Grau. Er arbeitet mit dem Glanz, der durch die Lichtreflexion der schwarzen Oberfläche entsteht. Wie das Auge eines tiefen Sees liegt der Stein im Zentrum der Ausstellungshalle, bereit für Narziss, der sich darin spiegeln und das Schwarz küssen kann. „Das Schwarz ist älter als das Licht. Vor dem Licht waren die Welt und die Dinge in der vollkommenen Dunkelheit.“ Pierre Soulage spricht von dem Schwarz einer gesamten Fläche. Das Schwarz reflektiert das Licht „ und aus dem Dunkel kam eine Klarheit und ein bildhaftes Licht, dessen besondere emotionale Kraft mich in meinem Wunsch zu malen bestärkte.“ Er spricht von diesem aus dem Schwarz hervorgehenden,“ heimlichen Licht, das, aus der völligen Lichtlosigkeit kommend, von großer Intensität ist.

Nicht nur die Bildform, das Bildformat - Triptychon, Bildwand oder kleinteilige Serie bis zum optisch-kinetischen Lamellenbild von Jürgen Paas „Jukeboxes“ – spielt eine nicht unwesentliche Rolle in der Ausstellung, sondern ebenso konstruktive, konstruktivistische Tendenzen der Gestaltung.

So bei Inge Jacobsens Reliefarbeiten bzw. Wandskulpturen. Hier thematisiert sie Überschneidungen, Kantungen von geometrischen Flächen, raumschaffende Überlagerungen von Flächen unterschiedlicher Dimensionen und Charaktere, spitzwinklige Faltungen und messerscharf dünne Linien, mit denen sie abstrakte Raumdimensionen von verschiedenen Blickwinkeln aus erfahr- und erlebbar macht. Abstrakte Flächenschichtungen und -kantungen greifen von der Wandfläche in den Raum aus und gestalten ihn mit.

Schrift spielt bei Isabelle Dyckerhoff als auch ganz direkt und unmittelbar bei Albert Coers eine große Rolle. Bei ihm ist es weniger die Reduktion auf unterschiedliche Zeilenblöcke und die beredte Leere, der Klang- und Resonanzraum zwischen ihnen, sondern das skulpturale Bauen mit Büchern oder wie in unserem Fall der Prozeß des der Zeit geschuldeten Ablösens einzelner gedruckter Wörter und Buchstaben aus Zusammenhängen. Aus konstruktiven Zusammenhängen von Schrift, wo sie nun ihren Halt, den ihnen zugeordneten Platz durch Loslösen, Loslassen verlieren, ihn verlassen und sich dem Zufall preisgeben, sich mitunter zu neuen Sinnzusammen-hängen fügen. Die Worte und Buchstaben fangen an zu tanzen, zu wirbeln, sich frei zu bewegen, sich zu verselbständigen, sich aus der Anpassung, dem Regelwerk zu lösen und Eigenleben zu gewinnen, die Freiheit auszukosten auch neue Beziehungen einzugehen.

Als ein kleiner Schatz, versteckt hinter dem Pfeiler, ganz in der Ecke zu entdecken, als Schatz förmlich zu heben, sind die kleinen Bilder in Mischtechnik von Ursula Oberhauser. Als einzige in dieser Ausstellung arbeitet sie auch figürlich, muss sich deswegen aber nicht verstecken. Im Gegenteil, ihre kleinen Kostbarkeiten bilden oft bis zu 33-teilige Serien. Hier sind es kleine abstrakte apercus in zarten Farben, Formstudien,unprätentiöse Kostbarkeiten im Kleinstformat. Ihre kleinen, figürlichen Bilder sind ebenso zartfarbig, das Weiß der Grundfläche integrierend, mit zarten Schlagschatten bestückt, stellen die Bilder einzelne Motive, losgelöst, wie aus Filmstills gegriffen, in vorderer Front aus. Sie sind wie im Moment aus ihren Zusammenhang gelöst, in der Schönheit ihrer Vereinzelung isoliert, als präsente Erscheinungen, die den Motiven ihre Bedeutung, ihren individuellen Wert zurückgeben. Diese Wertschätzung des Einzelnen, oft kindlichen Guts, lässt den Betrachter eintauchen in eine Gefühlswelt, die bis in tiefe Sehnsuchtsschichten, bis auf den Grund der Kindheit reicht.

Dr. Angelika Burger, 2021