Blog

In unserem Blog erfahren Sie mehr über die KünstlerInnen der Zweigstelle Berlin, Wissenswertes zur künstlerischen Arbeit als Artist Statement oder mit Kurzbeiträgen von renommierten Kunsthistorikern und Kuratoren erläutert, auch die einzelnen biografischen Stationen bleiben nicht unerwähnt. Desweiteren möchten wir Sie hier über unsere aktuellen und zukünftigen Ausstellungsprojekte informieren, z. B. auch mit Gastbeiträgen und/oder Presseartikeln.

Reiner Heidorn - die verbildlichte Psyche

Der Weilheimer Maler Reiner Heidorn hat mit einer eigenen Ölmaltechnik den Pointillismus von wissenschaftlichen Mikroskopaufnahmen in modernen Expressionismus übersetzt und erschafft so großformatige Botanik- und Psychowelten, die ohne Beginn oder Ende im Betrachter ein Unterwassergefühl, ein visuelles Auflösen hervorrufen.


Zu diesen Welten kamen Reiner Heidorn Anleihen des asiatischen Manga-Styles gerade recht, und er etablierte die immer wiederkehrende Figur eines Mädchens im Hemd, mit Ohren und Schwanz; das Pokegirl. Das Bild "Moonwatcher" ist eines der wenigen Kleinformate aus dem Werk Heidorns und zeigt in blauer Kontur das wie in Nachtlicht aufgelöste Mangamädchen in einer Wiese. Zu sehen ist diese Arbeit in der neuen Ausstellung der Zweigstelle Berlin "Domestic Space | Domagk Edition" vom 18.-25.11.2018 in München.


Mit einer Finissage und dem Künstlergespräch endete am Sonntag, den 7.10.2018 die Ausstellung „Domestic Space | Schloss Homburg Edition“.

Es gab noch einmal Gelegenheit die Künstler Florian Ecker, Elvira Lantenhammer, Florian Lechner persönlich kennenzulernen, Fragen zu stellen, im Gespräch den Kunstwerken auf den Grund zu gehen, und so die Werke und auch die Künstler besser zu verstehen.

Die Gastgeber Andreas Stucken, Zweigstelle Berlin und Elvira Lantenhammer, Kunst in Schloss Homburg, sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Zahlreiche Gäste sind der Einladung in die „Schatzkammer hoch über dem Main“ gefolgt. „Domestic Space | Schloss Homburg Edition“ war eine erfolgreiche Ausstellung, bei der sich viele neue Kontakte ergaben.

Kunstinteressierte und Sammler sind aufmerksam geworden auf die neue Linie von MEISSEN und auf die erlesene Auswahl von Künstlern aus ganz Deutschland mit ihren überwiegend abstrakten Positionen der zeitgenössischen Kunst.

Abb.: Florian Ecker, Elvira Lantenhammer, Andreas Stucken, Florian Lechner

"Schatzkammer hoch über dem Main", so schreibt Bettina Kneller vom Main-Echo über unsere Ausstellung: „Domestic Space | Schloß Homburg Edition". Diese Präsentation vereint 12 malerische und skulpturale Arbeiten von Florian Ecker, Mark Harrington, Elvira Lantenhammer, Florian Lechner, Ursula Oberhauser, Jürgen Paas, Marc Peschke, Gabriele Schade-Hasenberg, Angela Stauber, Alessia von Mallinckrodt, Maria Wallenstål-Schoenberg und Thomas Weil in den Räumen von Schloß Homburg in Triefenstein. Den 12 überwiegend abstrakten Positionen sind 12 Wandteller mit gegenständlichen Portraits aus der Serie „Faces“ der Staatlichen Porzellan Manufaktur MEISSEN GmbH gegenübergestellt. Mit der Faces Serie setzt MEISSEN eigens angefertigte Illustrationen des Designers Otto Drögsler auf Wandtellern um. Die Serie zeigt Gesichter in unterschiedlichen Ausschnitten, die von Drögsler zunächst in Originalgröße mit Tusche auf Papier gemalt wurden und als Vorlage der handbemalten Wandteller dienten. Das dafür verwendete Blau wurde eigens im Farblabor der Manufaktur entwickelt. Die Kollektion stellt eine gänzliche Neuerung zum Thema Wandinstallationen bei MEISSEN dar. Abbildung: Alessia von Mallinckrodt, Gabriele Schade-Hasenberg, Maria Wallenstål-Schoenberg, Thomas Weil, Marc Peschke, Elvira Lantenhammer und Andreas Stucken (vlnr) bei der Eröffnung von "Domestic Space | Schloß Homburg Edition".

Otto Drögsler und Jörg Ehrlich sind die neuen Creativ-Direktoren bei MEISSEN und wirken schon seit zwanzig Jahren gemeinsam als Designer für verschiedene internationale Marken. 2009 gründeten sie die Marke Odeeh, die in der Modebranche für die rar gewordene Atelier-Tradition steht.

Odeeh ist eines der wenigen international positionierten deutschen Labels, das sich in jüngerer Zeit im Luxus-Segment der Damenmode erfolgreich am Markt etabliert hat.

Drögsler und Ehrlich sind bei der Manufaktur Meissen sowohl zuständig für die zukünftige Ausrichtung der einzelnen Produktwelten als auch für die visuelle Darstellung der Marke. Ihre Kompetenz für innovatives Design in Verbindung mit einer ausgeprägten Kenntnis der Vorlieben auf den internationalen Märkten schafft die Voraussetzung für ein erfolgreiches Umsetzen der auf hochwertigem Porzellan orientierten Strategie.

Florian Ecker, geboren 1977 in Landshut, Meisterschüler von Prof. Olaf Nicolai >>Haben Sie jemals die Sonne beobachtet, wenn sie unter einem Meereshorizonte verschwand? - Ja sicherlich. Sind Sie ihr auch mit dem Blicke gefolgt bis zu dem Moment, wo sie, wenn der obere Rand ihrer Scheibe den Wasserrand berührt, eben gänzlich untergehen will? - Höchstwahrscheinlich. Aber haben Sie dabei die Erscheinung bemerkt, welche genau in dem Augenblick auftritt, wo sie uns, vorausgesetzt, daß der dunstlose Himmel eine durch nichts gestörte Fernsicht gewährt, ihren letzten Strahl zusendet? - Nein, vielleicht nicht. Nun, sobald sich Ihnen eine Gelegenheit bietet - und das ist nur sehr selten der Fall - , bei der Sie diese Beobachtung machen können, so werden Sie wahrnehmen, daß nicht, wie man glauben könnte, ein roter, sondern ein >>grüner<< Strahl die Netzhaut des Auges trifft, aber ein Strahl von ganz wunderbarem Grün, von einem Farbton, wie ihn kein Maler auf seiner Palette erzeugen kann, einem Grün, welches die Natur selbst weder in der so verschiedenen Färbung der Pflanzen, noch in der der klarsten, durchsichtigsten Meere jemals wieder in gleicher Nuance hervorbringt. Wenn es im Paradiese Grün gibt, so kann es nur das hier gemeinte sein, welches ohne Zweifel das wirkliche Grün der Hoffnung darstellt!<< Jules Verne, Der Grüne Strahl, 1984 Pawlak Taschenbuch Verlag, Berlin, Drittes Kapitel 'Der Artikel der >>Morning-Post<<'


Mark Harrington wurde 1952 in Bakersfield, Kalifornien, geboren. Er wuchs zwischen Nordkalifornien und dem Westen Englands auf, wohin seine Familie 1966 zog. Er absolvierte 1975 ein BA-Studium in Skulptur mit Kunstgeschichte an der Sheffield Polytechnic und schloss 1977 seine MA-Forschung in Moderner Englischer Literatur (mit Schwerpunkt Ästhetik und Geschichte der Kunstkritik) an der University of Reading ab. Zwischen 1979 und 1999 hatte Harrington Lehraufträge in Süd-England (Portsmouth), Spanien (Barcelona) und Norwegen (Bergen und Kabelväg). Von 1997 bis 1999 war er Direktor von "Nordland Kunst und Filmskaie" auf den Lofoten. Seit 2001 lebt er südlich von München und hat Ausstellungen weltweit. "In their format, color and textural horizontality my paintings focus on space and light. No narrative. No symbolism. No reference. No representation. They may be analogous to aspects of the world and our experience, but are not evocative of conditions outside themselves. However, I want them to mean and to arouse a sense of resolve and upliftedness." Mark Harrington

Elvira Lantenhammer wurde 1956 in Altötting geboren. Nach der Ausbildung zur Kirchenrestauratorin studierte sie an der Kunstakademie in München, u.a. bei Heinz Butz. Schloss Homburg am Main ist seit 1998 zentraler Lebensmittelpunk;1999 Gründung des Kunstprojekts Kunst in Schloss Homburg; Ausstellungen, Stipendien und a.i.r im In-und Ausland, Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. "Aus der Farbfeldmalerei heraus entwickelt sind die Landschaftsmotive Lantenhammers nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Eine Farbkomposition, die den gefundenen Grundfarbklang für einen Ort umkreist, ist das Endprodukt des komplexen Vorgangs der Aneignung eines Ortes. Die Farbe kommt an erster Stelle in der Malerei mit Pigment und Eitempera auf Himalaya Büttenpapier oder Leinwand; die Formen sind einfach, klar. Lantenhammer bringt malerisch zum Ausdruck, dass wir auf die räumliche Ordnung von Rom völlig anders reagieren als auf die von New York. Lantenhammers „Siteplans“, das Konzept und die Serie begann 1998, mittlerweile zu vielen Städten und Orten in der Welt geben „einer rationalen Welt etwas zurück, was letztlich nicht messbar, nur sinnlich und energetisch wahrnehmbar ist: es ist die Aura oder die Atmosphäre eines Ortes“ (Beate Reese). In Japan, Juni/Juli 2017, ist das Werk „Kakemono – Japanes Siteplan“ entstanden; im Jahr 2015 „Virginian Siteplans“ während des residency in USA, in Virginia, Virginia Center for the Creative Arts. Es gibt Lagepläne zu fiktiven Städten und Orten; u. a. „Lagepläne Apokalypse“; „Lageplan Platz des Himmlischen Friedens“ und zu konkreten Städten: München, Venedig u.a.




In seiner künstlerischen Arbeit, die von autonomen Objekten bis hin zu installativen Eingriffen in den Raum reicht, entwickelt Florian Lechner (geb. 1981 in Burghausen, Meisterschüler von Prof. Hermann Pitz) die klassische Skulptur und Plastik weiter und arbeitet sich an ihr ab. Ihrer Physis entgrenzt etablieren sie sich als abstrakt, skulptural-plastische Verdichtung im Raum zwischen Realität und Fiktion. Lechner wandert in seinem Schaffensprozess durch sämtliche räumliche Gesetzmäßigkeiten und verschneidet diese miteinander. Zweidimensionale Ebenen prallen auf dreidimensionale Oberflächen, Räumliches wird verflacht, digital erzeugte Verdichtungen schieben sich in den physischen Raum hinein und kumulieren zu einem neuen Ganzen, das eine skizzenhafte Qualität besitzt. Hierzu nutzt der Künstler die der Skulptur inhärenten Qualitäten gleichermaßen als Werkzeug und Material und hebt sie auf diese Weise aus den Angeln. Perspektive und Fläche, Licht und Schatten, Texturen, Bewegung, Vorder- und Hintergrund - Lechners Werke sind immer ambivalent. Sie existieren nur im Moment ihrer Wahrnehmung durch den Rezipienten, sind losgelöst von ihrem spezifischen Zustand. Es sind Brüche in unserer Wahrnehmung, die Florian Lechner provoziert. Sie schaffen eine neue Realität, die gänzlich Illusion ist und anders herum. Vom dominianten, erzählerischen Motiv befreit sind es bei Lechner ruhige ästhetische, fast meditative Abstraktionen barocker Exzessivität und Komplexität, die vom Betrachter erfahren werden wollen. Ohne dass dieser sie dabei jemals in Gänze erfassen könnte, da sie schließlich doch nur eine virtuelle Imagination bleiben.


Ursula Oberhauser wurde 1969 in Wolfratshausen geboren. Sie studierte von 1991 bis 1997 Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste München bei Prof. Cristina Iglesias und Prof. Leo Kornbrust. 2001 bis 2004 absolvierte sie den Aufbaustudiengang für bildnerisches Gestalten und Therapie bei Prof. Gertraud Schottenloher an der Akademie der bildenden Künste, München. 2004 bis 2017 war sie im künstlerischen Aufnahmeverfahren und als Lehrbeauftragte an der Hochschule für Kunsttherapie, Nürtingen tätig. Nach einem Rumänienstipendium des Bezirks Oberbayern in der Brukenthal Sommerresidenz in Avrig/Freck, 2008, nahm sie an Ausstellungen in Sibiu/Hermannstadt (Galerie für zeitgenössische Kunst im Brukenthal Museum und Projektraum Artlabs, "paralell event" zur Bukarest Biennale, 2008), Cluj-Napoca/Klausenburg und Marosvásárhely/Tîrgu Mures teil. Die Künstlerin und Autorin Dr. Birgit Szepanski schreibt anlässlich ihrer Einzelausstellung „nachts wachsen“ in der Zweigstelle Berlin, 2009: „Dicht neben dem minimalistisch, konzeptionellen Ansatz liegt in Ursula Oberhausers Werken die Lust am Experiment und eine offene, prozessorientierte Vorgehensweise. Die schmalen Grade der Übergänge innerhalb dieser Bereiche verfolgt Ursula Oberhauser sowohl in der Handhabung des Materials als auch in der inhaltlichen Umformung dessen. Ihre kompakten Objekte, ortspezifischen Raumarbeiten und dichten, vielschichtigen Zeichnungen changieren an den Grenzen von Stofflichkeit und Imagination.“


Jürgen Paas wurde 1958 in Krefeld geboren. Er studierte von 1981 bis 1987 an der Hochschule Essen bei László Lakner, Rudolf Vombek, Friedrich Gräsel und Franz Rudolf Knubel. Von 1991 bis 1992 setzte er seine Studien an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris bei Jan Voss fort. Von 1995 bis 2003 hatte er zahlreiche Lehraufträge und eine Professur am Institut für Kunst und Kunsttheorie an der Universität zu Köln. Einladungen zu Stipendien folgten durch das Deutsch-Französische Jugendwerk und den DAAD nach Frankreich, an die Cité International des Arts in Paris oder als Artiste résident ans CREDAC, das Centre d’Art Contemporain in Ivry-sur-Seine; durch die Studienstiftung des dt. Volkes nach Italien an das Deutsche Studienzentrum Venedig. Das Werk wurde mit zahlreichen Kunstpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Preis der Volksbank Gelsenkirchen, dem Sickingen Kunstpreis des Landkreises Kaiserslautern und dem Preis für Malerei der Ursula-Blickle-Stiftung. Jürgen Paas ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund. Über seine Arbeit schreibt Dr. Gabriele Uelsberg vom Rheinischen Landesmuseum Bonn: "Jürgen Paas untersucht in seinem Werk die Funktion von Malerei, von Gedächtnis und von Komplexität. Dabei geht er meist ganz konkret vom Objekt des Bildes aus, das er - fast wie in einem Museum - untersucht, lagert, deponiert, archiviert und immer in Bezug auf die vorgefundenen Räume präsentiert. Jürgen Paas distanziert sich dabei vom singulären Bild und arbeitet in Reihen, Verdichtungen, Ensemblen, Installationen oder thematisiert diese Vielgestaltigkeit in der universellen Offenheit der einzelnen Bildkomposition".


Marc Peschke hat viele Jahre als Galerist, Kulturjournalist und Kurator gearbeitet, bevor er mit eigenen fotografischen Serien an die Öffentlichkeit trat. Diese lösen sich weit von den klassischen Stilmitteln der Fotografie und Fotokunst. In den Fotoobjekten von Marc Peschke geht es wie in seinen anderen Serien um Abstraktion, Transformation und Verschlüsselung des Vorgefundenen. Die sechseckigen, gefrästen Arbeiten – deren raumgreifender Illusionismus den Betrachter immer wieder staunen lässt und fasziniert – lassen das Publikum zu Zeugen eines inhaltlich komplexen Spiels werden. Unter anderem thematisiert die Serie „The Cubes“ die Transformationen in unseren Städten: Plakatabrisse, Architekturdetails und Blicke in Leerstände sind wiederkehrende Sujets dieser Fotoobjekte, bei denen es stets auch um eine Auflösung von Vorstellungen über Fotografie geht. Marc Peschke sagt über seine Arbeit: „Ich will in ‚The Cubes‘ keine perfekte Illusion eines neuen Raumes schaffen, mag es aber sehr, das Auge des Betrachters zu überraschen. Mir geht es immer darum, neuartige Bilder zu kreieren. Das Finden einer ungesehenen Bildsprache ist für mich ein wirklich entscheidendes Qualitätsmerkmal von Kunst. Ich will Bilder schaffen, die neu sind, packend – die aber auch etwas von der Welt erzählen, in der wir leben. Von den Veränderungen in der Alltagskultur, von dem, was sich auflöst. Von dem, was wir täglich verlieren.“


Bei meiner Arbeit geht es mir in erster Linie um die erlebbare Wirkung der Farbe. Was ich darunter verstehe, möchte ich im Folgenden erläutern: Die Farbe soll von Innen, aus der Tiefe leuchten können. Dazu ist notwendig, jeden oberflächlichen Effekt zu vermeiden. Sie soll ihre Lichthaftigkeit immer wieder zeigen können, so dass erfahrbar wird, dass Farbe wird oder entsteht und nicht etwas schon Fertiges ist. Das Verdeutlichen des Prozesshaften ist also das Anliegen meiner Arbeitsweise. Das Verfahren ist: ich schichte sehr feine Lasuren aus Farbpigment in wässriger Eitempera übereinander und lege über diese dann ebensolche Lasuren aus Ölfarbe in einer Harz/Öllösung. Durch die Beimischung von Harz kommt es zu einem mehr oder weniger starken Glanz bei den fertigen Bildern. Der Anreiz zum künstlerisch-experimentellen Umgang mit Farbe entstammt dem bewussten Wahrnehmen dessen, was mich umgibt. Die endgültige Form eines Bildes entsteht während des Malprozesses. Sie ist nicht als fertige Vorstellung im voraus - quasi als Konzept - vorhanden. Gegenständlichkeit im Sinne einer Dingwelt interessiert mich dabei als Formziel nicht - allein das Farbige in seinem Wesen zu erfassen und zu enthüllen, ist meine Absicht. In diesem Ideal sehe ich auch die Zukunft der Malerei. Mir bleibt es wichtig, die den Farben selbst innewohnenden Qualitäten und Tendenzen zu erforschen und individuellen Ausdruck zu verleihen. In diesem Sinne betrachte ich meine Bilder als “Wegmarken eines Forschungsweges”. Mein Ansatz erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Gabriele Schade-Hasenberg


Angela Stauber (geb. 1977 in München) vereint in ihrer Malerei scheinbar Gegensätzliches: die genaue Beobachtung ihrer Umgebung und den Ausdruck von empfundener Atmosphäre. Das Sichtbare wird beim Malen transformiert, so dass eigene Welten, eigene Räume entstehen. Die Bilder zeigen zwar noch Dinge oder Situationen aus der sinnlich erfahrbaren Welt, öffnen aber den Blick in eine andere Wirklichkeit. Sie sind so eine Membran zwischen der sichtbaren Welt und der Welt der Erfahrungen, Empfindungen, Reflexionen. Die Malerin hat an der Kunstakademie München studiert und 2005 bei Prof. Sean Scully als Meisterschülerin abgeschlossen. Seitdem ist sie international tätig. Ausstellungen wie „Mythos Atelier: Von Spitzweg bis Picasso, von Giacometti bis Nauman.“ von 2012-13 in der Staatsgalerie Stuttgart oder das Stipendium für Bildende Kunst der Stadt München 2014 für das Projekt „Die Reflexion der Stadt“ zeigen ihr thematisches Spektrum auf: Der Innenraum, genauer noch das Atelier, sowie der Stadtraum sind die beiden Pole, zwischen denen sich die Malerei, aber auch die Druckgrafik oder Zeichnung der Künstlerin bewegen. 2015 erhielt Angela Stauber das Förderstipendium des Aktionsfonds City West Berlin für ein weiters Projekt im öffentlichen Raum. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Großbritannien lebt und arbeitet die Künstlerin wieder in München.


Alessia von Mallinckrodt (geb. 1972 in Rom, lebt und arbeitet in Chieming) bezeichnet in ihrer Malerei und Zeichnungen, in ihren Objekten und Installationen den Verlust einer ganzheitlichen Identifizierung, sei es mit einem Ort in einer Stadt (Heimatort?) oder das Verortetsein in der Natur. Durch ihre Auswahl einer fast farblosen Materialität, dem sensitiven Umgang mit Oberflächen, Schichten und Schichtungen entstehen in ihrem Werk eine Anlegung von Spuren, Zeichen, Leerstellen und Verdichtungen. Gerade durch ihre sehr sorgfältige Handhabung, Lasuren und dichte Stofflichkeit in den Werken wird eine Melancholie einer erlebten Distanz sichtbar und spürbar gemacht. Stadt, Architektur, Wege, Umzäunungen - Steine, Geweihe, Verzweigungen sind in diesem Sinne jeweils Linien und Flächen innerhalb einen Territorials. Damit gelingt es Alessia von Mallinckrodt auf jenes Merkmal zu deuten, das diese unterschiedlichen Felder, Widersprüche oder Distanzen durchzieht: Das Moment der Zeit, mit seinen Parametern eines Anfangs und Endes und der flüchtigen, poetischen Möglichkeit des Er-Innerns. Was zurückbleibt, sind Spuren oder Kartographierungen dieser Verhältnisse. | Text: Dr. Birgit Szepanski | Abbildung: Alessia von Mallinckrodt bei der Installation ihrer Wandmalerei für "Domestic Space 3" in der Zweigstelle Berlin 2015.


Maria Wallenstål-Schoenberg wurde 1959 in Uppsala, Schweden geboren. Seit 1999 lebt und arbeitet sie in München. "Es sind die Beziehungen, die die Malerei der Maria Wallenstål-Schoenberg so faszinierend machen: Formen und Farbklänge stehen in einem Spannungsverhältnis und kommunizieren miteinander. Auf den ersten Blick schwerelos und heiter, sind die Gemälde von Wallenstål-Schoenberg von einer ergreifenden Tiefgründigkeit, die den Betrachter unweigerlich miteinbezieht. Ihr wichtigstes Handwerkzeug ist das Palettenmesser, mit dem sie die Ölfarbe nach einem wohldurchdachten Konzept Schicht für Schicht aufträgt. Untere Farblagen schwingen mit nach vorne, verschwinden wieder, um sich woanders in neuer Weise zu präsentieren. Farbfelder beziehen sich aufeinander, Formen treten an ihren Rändern in Kontakt, Bildkanten erzählen eigene Geschichten.“ (Anette von Altenbockum, Klinkhardt & Biermann Verlag)


Thomas Weil (geb. 1944) wuchs in München in drei Künstlerfamilien auf (Adam-Dynastie, Prof. Ernst Weil, Marie Luise Heller). Schon 1959 durch Literatur in Berührung mit geometrischer Kunst aus Persien gekommen, studierte er zunächst Architektur an der TU München. Nach dem Diplom ist er ab 1970 im Büro HWP (Olympisches Dorf München) tätig und danach u.a. federführend beteiligt am Ismaili Center London und an der Zentralfeuerwehr Shustar Persien. Ab 1974 werden parallel zur Architektur geometrisch-ornamentale Strategien entwickelt und seit 1986 in Ölmalerei, Plastiken, Kunst am Bau umgesetzt. Nach dem Bau eines Wohn-, Atelier- und Galeriegebäudes in Friedberg/Bay. konzentriert er sich ab 1996 auf freie Kunst und geometrisches Ornament (Museumsausstellungen, Vorträge, Dozenturen u.a. Hochschule Bremen, Hochschule Innsbruck, Heluan Akademie Kairo, Akademie Design und Gestaltung München, Publikationen, Autor, nationale und internationale KunstamBau-Aufträge, Designentwicklungen u.a. für Vorwerk, Anker, V&B, AWS, Fielitz). Ab 2005 werden die Themen florales Ornament, ab 2011 Minimal Ornament erforscht und in das umfangreiche Arbeitsfeld integriert. Ab 2014 entsteht durch Reduktion der allen Arbeiten zugrundeliegenden linearen Grund- und Proportionsrastern auf Punktraster formal eine Synthese aus geometrischen, floralen und minimalstischen ornamentalen Strategien.