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Anja Behrens “Ein | Blick der Ruhe”

Anja Behrens “Ein | Blick der Ruhe”

Ein “Making of” der Arbeiten, die die Künstlerin bei “Domestic Space | Fotografie” im Rahmen von NEUSTART KULTUR bei augsburg contemporary zeigt, präsentiert von der Zweigstelle Berlin:

“Norwegen übt eine sehr eigenartige Faszination auf mich aus. Ich fühle mich hier nicht zu Besuch, ich komme hier an. Die schroffen Berge , der Schnee und die tief-blaue See bilden eine Verbindung die voller Energie steckt, die mich erdet. Im Schatten dieser gewaltigen Fjorde kommt man sich herrlich unbedeutend vor und gleichzeitig als Teil eines großen Ganzen. Das Meer hat hier eine tief dunkelblaue Farbe, entsättigt - fast schwarz manchmal - und legt sich wie ungebügelte Decken zwischen die Berge, immerzu leicht gekräuselt.

Es ist reichlich spät im Jahr - Ende März, Anfang April zumindest wenn man in „Nordlichtsaison“ denkt. Wirklich dunkel ist es nur noch zwischen 23:00 und 2:00 Uhr morgens. Im Sommer geht die Sonne hier nie unter. Die Nordlicht-Tourguides haben seit einer Woche Ihre Touren eingestellt. Das heißt natürlich nicht, dass es jetzt keine Nordlichter mehr gibt, aber es gibt sie eben nur noch so sporadisch, dass man daraus kein Geschäft mehr machen kann.

Mein Plan ist es hier bei Nacht Fotos vom Sternenhimmel zu machen. Ich erhoffe mir Polarlichter. Eine Woche habe ich Zeit um den für mich perfekten Spot zu finden und um dann an diesem Spot zu verharren. Unbewölkter Himmel, eingestelltes Equipment, hoffentlich Polarlichter, oder: einfach zur rechten Zeit am rechten Ort sein.

Im Gepäck habe ich eine FUJI GFX50S die ich mir von Calumet ausgeliehen habe, mein Kamerastativ, Akkus und Wärmepads für Schuhe und Nieren. Wer die ganze Nacht geduldig auf einem Berg sitzen will, muss die nötige Portion Optimismus mitbringen, aber Wärmepads helfen dabei ungemein!

Vor Ort besorge ich mir im lokalen Outdoor-Store Schneeschuhe. Es müssen die mit Zweifacher Einstellung sein, damit steile Hänge ein klein wenig komfortabler zu erklimmen sind, kann man diese hinten hochstellen. Sehr sinnvoll - es sind eben die Kleinigkeiten!

Die ersten Tage habe ich kein Glück - Nachts ist es immer bewölkt und schneit, somit keine Sicht auf Sterne. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Bei meinen scoutings erklimme ich einen Berg während es schneit und der Wind einem die Schneeflocken wie winzige bissige Moskitos ins Gesicht bläst, oben angekommen werde ich belohnt und es zieht wenigstens soweit auf, dass ich den Fjord sehen kann. Ich verewige mich im Buch, das in einer Eisenkassette in einem Steinhügel versteckt ist. Nur dieser Moment für sich fühlt sich wunderbar an. Allein auf diesem Berg, mit einer hinterlassenen Notiz. Ich lese in Ruhe was Leute vor mir hinein geschrieben haben und lege alles sorgfältig vor Eis und Schnee geschützt, zurück. Beim Abstieg ist es schon wieder so zugezogen, dass ich meiner eigenen Schneespur folgen muss, um mich nicht zu verlaufen.

In einem der schönsten Cafés, welches liebevoll von 2 Norwegerinnen betrieben wird ,finde ich meine „homebase“. Genau im Scheitelpunkt des Fjords „Ersfjordbotn“ liegt dieses Café und ist damit der perfekte Rückzugsort um nah genug an dem Berg zu liegen, den ich als perfekte location für mich gefunden habe. Man fährt von hier noch eine halbe Stunde zum Ausgangspunkt, wandert dann ca. 1,5h - 2h den Berg hoch und hat dann eine perfekte Sicht auf den Fjord und eine Inselansammlung mit im Bild zu haben, die ein wunderschön harmonisches Bild ergibt. Dass die beiden lokale Kunst an den Wänden haben und einen perfekten Kaffee mit den besten süßen Stückchen machen ist natürlich kein unwesentlicher Benefit.

Die Route den Berg hoch will ich mir in 2 Wanderungen bei Tag gut einprägen, damit ich auch bei Nacht den Weg finde. An sich ist der Weg im Sommer wunderbar zu finden, aber bei 2m Schneehöhe ist das nicht mehr ganz so einfach.

Es geht am Anfang sanft bergauf und es lässt sich wunderbar mit Schneeschuhen laufen. Was von unten nach einer relativ kurzen Strecke aussieht, dehnt sich aber nun. Es stellt sich heraus, dass noch ein seichtes Tal zwischen den Hügeln liegt, das man vorher nicht sah, da die Konturen des Schnees in der Ferne eins werden.

Als ich das Tal betrete, kann ich meinen Augen kaum glauben. Ich stehe in unmittelbarer Nähe einer großen Herde Rentiere, etwa 15-20 Tiere asen genüßlich und blicken mich weniger erstaunt an, als ich sie. Ich lasse mich im Schnee fallen und genieße unverhofft die wilde Nachbarschaft. Je steiler es wird, desto mehr muss ich auf meine Schritte achten. Ich wurde von den Einheimischen gewarnt, dass es zwischenzeitlich schon getaut hat und es schnell zu kleinen Lawinen kommen kann, wenn auf angetaute Eisschichten wieder Schnee fällt und sich die Schneeflächen gegeneinander beim betreten verschieben.

Nach vielen, vielen kleinen Pausen komme ich endlich am Steilhang des Fjords an und blicke zufrieden über den ganzen Fjord und seine Inseln ins Meer hinaus.

Was sich mir aber nun auch zeigt, ist eine riesige bedrohlich wirkende Wetterfront die vom Meer her auf mich zurollt. Nebel und Schnee so dicht wie ein graues Seidentuch, das sich über alles legt, was sich unter ihm befindet. Ich steige so schnell ab wie ich kann, aber das Wetter rollt hinter mir über den Berg. Ich sehe fast nichts mehr und finde viel zu weit oberhalb meines Parkplatzes die Strasse über die ich gekommen bin. Trotzdem beginnt der richtige Sturm mit dem Moment in dem ich ins Auto einsteige und schließt warnend die Tür hinter mir. Ich bedanke mich fürs warten.

Am 2. Tag schaffe ich nach dem Aufstieg bei Tag im sanften, gedämpften Licht der Wolken ein Panorama des Fjords, das später das „daylight„ Bild meiner Serie Ein|Blick der Ruhe wird. Als das Wetter sich am 3. Tag endlich ausgetobt hat kann ich am Abend endlich Abendrot sehen. Klarer Himmel zeichnet sich ab und ich plane alles für meinen nächtlichen Aufstieg. Ich esse noch schnell etwas, weil ich gelernt habe, dass die Natur hier rauh sein kann und ich Kraft brauche um den Berg erneut zu erklimmen. Es ist ein langer Weg nach oben. Der Aufstieg ist schwer und der frisch gefallene Schnee macht ihn noch deutlich schwerer. Als ich das Tal betrete, in dem ich Tags zuvor die Rentiere entdeckte, beginnt das Licht über mir plötzlich zu tanzen!

In grün und rot zieht es über mich und regnet auf mich herab, als würde das Schicksal sagen - heute nicht, du darfst mich tanzen sehen, aber mehr auch nicht. Zum fotografieren bin ich am völlig falschen Standort und so lasse ich mich rücklings in den Schnee fallen und geniesse das Spektakel. Ich lasse es mir nicht nehmen, den Berg danach weiter zu erklimmen, bin um 2 Uhr angekommen, aber es zeigt sich kaum noch Licht. Um 4 Uhr morgens bin ich wieder an meinem Auto und es wird schon wieder hell.

So bleibt mir noch ein allerletzter Tag für einen Aufstieg, den ich eigentlich gar nicht mehr eingeplant hatte. Ich verlängere die Mietdauer der Schneeschuhe und wage es ein letztes Mal…und werde nicht enttäuscht.

Die Kamera ist bereit, der Platz perfekt und so kann ich meinem daylight Panorama am gleichen Ort in völlig anderer Stimmung das Bild „nighttime“ hinzufügen. Hier ziehen die Nordlichter ihre faszinierenden Wellen durch den Himmel und ich konnte dieses Bild einfangen - so würde man es fotografisch wohl bezeichnen - trotzdem fühlt es sich mehr so an als hätte ich es mir mit etlichen Aufstiegen verdient und es wurde mir vielmehr freundlich gestattet, als dass ich es eingefangen hätte. Einen Satz nehme ich aus der Ruhe dieses Berges mit und er bleibt mit dieser Serie verbunden: „Eine Wahrheit so weich und tief wie die See und so klar und unausweichlich wie die Zeit.“

Die Fotografin und mixed-media Künstlerin Anja Behrens lebt in Hamburg. Sie arbeitet als Werbefotografin für diverse Firmen. Zeitgleich arbeitet Sie kontinuierlich an freien Kunst-Projekten, die in Ausstellungen und im öffentlichen Raum gezeigt werden. „Ich bin absolut fasziniert von Farbe, Haptik, Harmonie/Disharmonie und Strukturen im Großen wie im Kleinen. Subtile Annäherungen und verschiedenste Ebenen spielen für mich immer eine große Rolle, weil mir im Leben meist nichts eindeutig und zweifelsfrei erscheint. In meinen Arbeiten kann ich mich völlig intuitiv mit Themen auseinandersetzen die mich umtreiben und festhalten. Das ist ein großes Privileg!“

„Domestic Space | Fotografie“ Anja Behrens, Karen Irmer, Kirk Sora

Ausstellungsdauer: 31.1. bis 6.3.2021 | Ort: „augsburg contemporary“, Bergstr. 11, D-86551 Augsburg

Öffnungszeiten: Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils 14-18 Uhr u.n.V., je nach Corona-Lage.

Die Ausstellung ist auch online in 3D begehbar !